Interessante Berichte und Artikel *meine eigenen Bücher*News

Bücher bewerten

Echter Frauenroman – Frauenpower – Für Männer nicht geeignet!

Diesen echten Frauenroman, dürfen MÄNNER NICHT lesen !

Nur Frauen sollten ihn lesen und genießen!

„Gil, wer sagt, dass wir die Männer brauchen?“

Dritte Leseprobe:

Am nächsten Morgen hatte Dave das Frühstück gemacht und versuchte höflich zu bleiben, obwohl es ihm sichtlich schwer fiel.

„Komm spuck es aus.“

„Was? Was soll ich ausspucken?“

„Was du mir gerne an den Kopf werfen willst. Und erzähl mir jetzt nicht, dass du nicht immer noch sauer bist, weil ich mich gestern verdünnisiert habe und du im Gästezimmer schlafen musstest.“

„Du hast dich nicht nur schamlos vom Acker gemacht, sondern mich auch noch ausgesperrt, ausgesperrt aus unserem gemeinsamen Schlafzimmer.“

„Ich war schrecklich müde und wollte schlicht nicht gestört werden.“

„Wieso warst du eigentlich so sauer über mein Gedicht? Es war doch eine Liebeserklärung, die ich dir machte und du hast mich wie einen Idioten aussehen lassen. Im Übrigen hat keiner wirklich  verstanden, wieso du deshalb so sauer reagiert hast.“

„Die Männer, meinst du wohl, konnten meine Reaktion nicht verstehen. Weil euch Männern einfach das Einfühlungsvermögen in andere Menschen abgeht.“

„Was genau willst du damit sagen?“

„Nur, dass ihr Männer ein Einfühlungsvermögen wie ein Ambushammer habt.“

„Dann sprich mit mir, sag mir, was genau du beleidigend fandst? Was?“ schrie Dave nun beinahe vor Wut.

„Nur eins zum Beispiel, dann hab ich keine Lust mehr weiter drüber nachzudenken. Zum Beispiel……..“

 

Daraufhin wurde Dave sehr wütend und verließ aufgebracht das Haus. Sie hatte noch mitbekommen, dass er offenbar mit jemandem telefonierte. Allerdings bekam Esther nur kleine Fetzen mit, da Dave wie aufgezogen wütend im Flur auf- und ablief, während er sprach. Das einzige, was sie genau verstand war, das er zu dieser Person sagte, sie habe ihn gelinkt. Was er wohl damit meinte? Das hätte Esther doch zu gerne gewusst.

 

Sie stand noch einen Moment lang am Fenster, sah wie Dave sehr erregt davonbrauste und fragte sich, wie es wohl anderen Frauen nach so vielen Ehejahren ergehen würde. Lebten sie auch nur noch nebeneinander her? Hatten sie überhaupt noch Sex? Da fielen ihr wieder Maureens Worte ein, als sie sagte, wie froh sie wäre, wenn ihr Mann Keith sie überhaupt noch wahrnehmen würde.

Ich bin mir da ziemlich sicher, dass bei den beiden im Schlafzimmer absolute Flaute herrscht. Da verwette ich meinen Hintern für. Ob die Natur das so gewollt hat oder hat uns dieses monotone Eheleben die Kirche irgendwann eingebrockt? Vielleicht sind wir ja gar nicht für die Monogamie geschaffen?

Während sie vom Fenster aus in den Garten und auf das Chaos dort unten schaute, fiel ihr ein Bericht ein, den sie erst kürzlich gelesen hatte. Es ging um das Thema Monogamie, und das die Monogamie eigentlich totaler Unsinn sei. Und das die romantische Vorstellung der ewigen Liebe zwar ein schöner Gedanke, ein wunderschöner Wunsch, ein schöner Traum, biologisch gesehen jedoch der totale Unsinn sei. Die Natur habe es nun einmal so eingerichtet, dass männliche Wesen durch ihre natürlichen Voraussetzungen davon angetrieben seien, sich mehrmals fortzupflanzen. Und Frauen sind auf der Suche nach dem besten Gen für ihre Nachwuchs.

Esther dachte eine Weile über diesen Artikel nach. Klar, gibt es natürlich Ausnahmen, dass Paare ein Leben lang zufrieden miteinander leben können. Die arrangieren sich dann irgendwie. Aber hat das noch etwas mit Liebe zu tun, von Sex oder gutem Sex will ich da gar nicht erst sprechen. Wenn ich da an meine Eltern denke. Aber glücklich? Nein glücklich sieht für mich anders aus. Nein, das will ich nicht. So zu leben, wie meine Eltern, bis ich in die Grube fahre, nein, das ist für mich keine Option, sprach sie in Gedanken vor dem Fenster zu sich selbst und beobachtete dabei eine Katze, die gerade um den kleinen Goldfischteich ihres Nachbarn schlich.

„Lass dich nicht von meinem Nachbar dabei erwischen Kätzchen. Da versteht der Bastard keinen Spaß mehr, kleine Mieze“ rief sie laut der Katze entgegen.

 

Beim Wegräumen das Frühstücksgeschirr versuchte sie sich auf etwas Schöneres zu konzentrieren, was ihr jedoch nicht wirklich gelang. Ihre Gedanken kreisten unablässig um die Frage, ob es in anderen Ehen auch irgendwann zu einem derartigen Ende kommen würde. Sie ging zurück ins Wohnzimmer zu ihrer Couch, streckte sich lang aus und lies den gestrigen Abend Revue passieren. Sie schnappte sich ihren Stoffhund vom Sofarand, wo er seinen angestammten Platz hatte, hielt ihn über sich und schaute ihm in seine schwarzbraunen Knopfaugen.

„Vielleicht haben ja andere Frauen genau wie ich, eigentlich keinerlei Ahnung von den heimlichen Wünschen, den Träumen- und Gedankenwindungen ihrer Männer? Genauso wenig, wie die Männer offenbar verstehen, wonach wir Frauen uns tatsächlich sehnen. Was in ihren so kühlen Köpfen in Wirklichkeit herumspukt? Welche Geheimnisse sie vor ihren eigenen Ehefrauen über Jahre verbergen können, wie man immer wieder liest. Aber wieso geschieht das alles? Waren nicht alle Paare irgendwann mal schrecklich verliebt und hatte man sich nicht geschworen, sich immer alles zu sagen, immer ehrlich miteinander umzugehen?“ fragte sie ihren Stoffhund, einer relativ großen Cocker King Charles Nachahmung. Nachdenklich starrte sie in seine Kulleraugen, während noch mehr Fragen auftauchten.

„Verlieren wir vielleicht die Sensibilität für Realitäten in der Routine einer Ehe? fragte sie ihn, als könne der Stoffhund ihre Fragen beantworten.

„Und kannst du mir mal sagen, wieso wir Frauen nicht in der Lage sind, unsere sexuellen Wünsche auch bei unserem Ehemann richtig zu kommunizieren? Wieso schaffen wir es meistens nicht, unsere heimlichen Wünsche mit Nachdruck zu fordern? Vielleicht würden dann die meisten Ehen nicht in dem täglichen Einerlei oder der Scheidung enden? Aber was hat Dave bloß veranlasst, so ein Gedicht zu schreiben? War es vielleicht eine Art heimliche Rache, weil auch er sich sexuell von mir nicht verstanden fühlt, sich sexuell langweilt, genau wie ich? Vielleicht haben wir auch einfach viel zu jung geheiratet und Kinder bekommen. Was hatten wir denn schon großes bis dahin erlebt? Nichts, eigentlich nichts Weltbewegendes. Aber was um alles in der Welt hatte er sich nur dabei gedacht, ausgerechnet an meinem fünfzigsten Geburtstag so etwas vor all unseren Freunden vorzulesen? Und dann noch zu glauben, dass ich mich darüber freuen würde. Warum hat er nicht einfach mal mit mir gesprochen? Hey Charlie, sag, warum haben wir nicht mal über unsere Beziehung gesprochen? Du hast das gut, kleiner Hund, du musst dich nicht mit solchen Fragen quälen.“

Sie legte den Hund wieder auf seinen angestammten Platz zurück und stand auf, ging in die Küche, um sich ein Glas Sekt einzuschenken.

Außer Lynn Paddy schien niemand den Frust gespürt zu haben, der sie in diesen Moment begleitete, sie fest umklammerte, sie schier lähmte, als Dave diese schrecklichen Zeilen zum Besten gab.

Er hat alles kaputt gemacht, dachte sie. Sie ging zurück zur Couch und starrte an die Decke. Eine Menge Bilder tauchten jetzt vor ihr auf und Esthers Gedanken liefen ein weiteres Mal mit ihren Gefühlen, die sich gerade im Chaos befanden, um die Wette. Schmerzlich erinnerte sie sich jetzt wieder an die wundervolle Zeit, als sie Dave das erste Mal begegnet war. Es war auf einer Party. Die Geburtstagsfeier ihrer besten Schulfreundin Laury, auf der auch viele ältere Jungs der Jungenschule eingeladen waren. Esther musste schmunzeln, als ihr die Erinnerungen an diesen Tag kamen.

Die Feier hatte bereits am frühen Nachmittag begonnen, Laurys Mama brachte freudestrahlend eine große Punschschale in den Garten, natürlich ohne Alkohol, wie sie extra betonte. Das hielt die Jungs jedoch nicht davon ab, kaum das Laurys Mama wieder ins Haus gegangen war, die mitgebrachten Rum- und Whiskyflaschen hervorzukramen und in den Punsch zu kippen.

Mein Gott, war ich damals betrunken von dem Zeug. Ich erinnere mich noch genau, dass ich alleine für mich nach der Musik von Mikel Jackson tanzte, als mich jemand in den Arm nahm und mich über den Rasen schleuderte. Jedenfalls kam es mir in meinem duseligen Kopf so vor, als schleudere mich Dave herum. Mein Gott, wenn ich daran denke, besonders, als plötzlich der Schmusesong der Bee Gees, All of my life erklang und Dave mich dicht an sich herandrückte, seine linke Hand auf meinen Po legte und wie ich seine Erregtheit spüren konnte. Obwohl ich noch Jungfrau war, wurde ich feucht. Bei dem Gedanken an diesen himmlischen Moment, musste sie laut lachen. Ich weiß noch genau, wie sehr mein Herz schlug, als mein Kopf auf seiner Schulter den nötigen Halt fand, Dave mich zärtlich in seinen Armen hielt, wie sein warmer Atem meine Kopfhaut zum Kribbeln brachte.  Wo ist bloß diese Liebe geblieben, die uns beide an diesem Tag wie Amors Pfeil traf, die uns fest miteinander verband.

Träumend lag Esther immer noch auf der Couch, hing ihren süßen Erinnerungen nach, die heute so bitter schmeckten, wie eine Bittermandel, die keinerlei Gültigkeit mehr hatten. Und sie dachte darüber nach, wie dumm es war, gleich den erstbesten Mann, in den sie sich verliebte, zu heiraten.

 

Ihre Geburtstagfeier lag nun eine knappe Woche zurück. Seit jenem Tag hatte sich etwas in ihr verändert. Etwas war zerbrochen, unwiederbringlich zerstört. Nichts würde mehr so sein, wie zuvor, das spürte Esther jetzt mehr denn je.

Einige Tage nach ihrer  Geburtstagsfeier traf sie sich, wie üblich, mit ihrer liebsten und besten Freundin Gil in ihrem Stammcafé. Gil ist eigentlich auch gleich die einzige und wirkliche Freundin, die sie hat, wenn sie ehrlich war. Viele ihrer sogenannten Freunde brüsten sich ständig damit, wie viele Freunde sie haben, wie busy sie laufend sind, hier eine Einladung und dort eine Einladung, hier eine Party und dort eine Party. Und natürlich müssen dann auch die Gegeneinladungen ausgesprochen werden. Doch in Wirklichkeit waren es nur Oberflächlichkeiten, oberflächliche Bekanntschaften, aber sicher keine Freundschaften.

Eine gemeinsame Freundin, oder sollte sie besser sagen, Bekannte, diese unerträgliche Moira, pflegte immer gerne zu betonen, wie schrecklich, ach ja, wie furchtbar schrecklich es sei, so viele Freunde zu haben. Von wegen Freunde, dachte sie damals schon. Ständig ist man unterwegs oder hat selbst das Haus voll. Aber naja, das sei eben der Preis, für so viele liebe Freunde.

Ha, dass ich nicht lache, hatte Esther im Stillen gedacht, die und beliebt, diese Angebertussi. Die merkt doch die Einschläge überhaupt nicht mehr. Diese sogenannten Freunde tun doch in Wirklichkeit nichts anderes, als sich gegenseitig vorzuführen, was sie sich wieder alles Neues angeschafft haben, oder damit zu prahlen, wo sie im Sommer den Urlaub verbringen werden, von Dubai, bis zu den Virgin Islands, Kanada auf Bärenjagd gehen oder den Tafelberg in Südafrika bewandern.

„Ich kann überhaupt nicht mehr in Worte fassen, wie mir diese Oberflächlichkeit und Angeberei dieser Leute auf den Nerv geht“,  hatte Esther unlängst mal zu Maureen gesagt, die auch mit ihren Freunden permanent wie ein Sack Flöhe auf den Putz haute.

 

Gil hatte sofort bemerkt, dass mit ihrer Freundin etwas nicht stimmte. Das sie verändert war.

„Esther, warum bist du so schrecklich angepisst von den Männern?“ fragte Gil schockiert, die immer wieder über die extremen Gemütsschwankungen ihrer Freundin in der letzten Zeit erschrak.

„Das fragst du noch? Schätzchen, komm du erst einmal in mein Alter, dann wirst du bald begreifen, dass Männer und Frauen über fünfzig einfach nicht mehr zusammen passen. Und eine Ehe nach vierundzwanzig Jahren meistens total verschlissen ist. Nichts mehr zu bieten hat, als puren Frust.“

Esther und Gil trafen sich in ihrem Stammcafé The Buttery Café Tea Rooms in der High Street von Lymington am Solent seit nunmehr dreizehn Jahren. Dort pflegen sie jeden Mittwochnachmittag ihre Freundschaft zu zelebrieren, um sich einmal pro Woche ihren Ehe- und Lebensfrust von der Seele zu reden, um nicht irgendwann daran zu ersticken.

Kennengelernt hatten sie sich vor knapp vierzehn Jahren in Milford on Sea, wo Esther in dem beliebten Restaurant Smugglers Inn als Kellnerin jobbte, sobald ihre Kinderlein sie nicht mehr so dringend benötigten. Schon damals lag ihr die Hausfrauenrolle wie ein Ziegelstein quer im Magen. Sie langweilte sich immer mehr und sehnte sich danach, wieder unter vielen Menschen zu sein. Inzwischen sind ihre Kinder längst erwachsen und bereits ausgezogen.

Beide studieren in London. Anfangs kamen sie noch jedes Wochenende nach Hause. Doch dann hatten sie immer neue Ausreden erfunden, weshalb sie am kommenden Wochenende nicht kommen könnten. Esther musste jedes Mal schmunzeln, wenn sich insbesondere ihre Tochter Katy bemühte, ihre Ausrede gut zu verpacken, gut rüberzubringen. Ben, ihr Sohn, ging das alles wesentlich cooler, wesentlich pragmatischer an. Er machte sich deshalb keinen Kopf. Er pflegte einfach kurz und knapp zu sagen: „Mum, am Wochenende komme ich nicht, hab was vor.“

Damit war für ihn der Fall erledigt.

Zu Beginn war Esther sehr traurig, wenn die Kinder nicht heimkamen. Doch natürlich verstand sie sie nur zu gut, da sie nun einmal flügge wurden, ihren eigenen Weg gehen wollten und natürlich auch sollten. In der Zwischenzeit hatte jeder von ihnen in London einen neuen Freundeskreis aufgebaut. Und was sollten sie auch Zuhause. Im Grunde war sie, wie sie sich selbst mehr und mehr eingestehen musste, recht froh darüber, wenn sie nicht auftauchten. Denn sie brachten ständig ihre schmutzige Wäsche mit, fraßen ihnen die Haare vom Kopf, leerten regelmäßig ihren gut gefüllten Kühlschrank, war ja auch billiger, als sich selbst Lebensmittel zu kaufen, oder trafen sich mit alten Freunden. Zuhause waren sie ja eigentlich auch nie, wenn sie da waren.

Für sie als Mutter bedeutete es jedoch jedes Mal Arbeit, Arbeit, Arbeit. Und Dankbarkeit der Kinder, Fehlanzeige. Zudem hinterließen sie auch nach jedem Besuch im ganzen Haus ein riesiges Chaos. Und davon hatte sie endgültig die Nase voll, sich ständig von ihren Kindern wie ihr persönliches Hauspersonal ausbeuten zu lassen.

Diese Selbstverständlichkeit, mit der ihre erwachsenen Kinder von ihrer Mutter erwarteten, ihre Wäsche über das Wochenende hinweg gewaschen zu bekommen, gebügelt und schrankfertig zurechtgelegt vorzufinden, ging Esther ohnehin schon eine ganze Weile mächtig gegen den Strich. Und dann das ständige hinterherputzen und aufräumen, ging ihr derweil schwer auf den Zoxs. Nie fragten sie nach, wie es ihr ginge, ob sie glücklich sei oder traurig, nichts, gar nichts interessierte ihre Kinder, wie es ihrer Mutter ging. Und genau das ärgerte Esther noch mehr. Sie wusste weiß Gott besseres mit ihrer freien Zeit anzufangen, als jedes Wochenende Hotel Mama zu spielen.

Eigentlich war Esther gelernte Geburtshelferin. Doch dieser Beruf weckt schmerzliche Erinnerungen, die sie seit vielen Jahren erfolgreich verbannt. Damals lebten sie noch mit ihren beiden Kindern in Milford on Sea. Dann passierte das schreckliche Unglück bei der Geburt der Zwillinge ihrer Cousine. Danach hing Esther ihren Job an den Nagel. Sie kam lange nicht darüber hinweg. Und dann verlor Dave auch noch seinen Job. Nach beinahe sechzehn Jahren als erfolgreicher Handelsvertreter für Reitsportartikel.

Überall kriselte es heftig und so machte die Krise auch vor seiner Firma nicht halt. Sein Chef sah sich gezwungen, sein Unternehmen zu verkleinern. Es ist ihm weiß Gott nicht leicht gefallen, sich von seinen guten Leuten zu trennen. Doch er hatte keine Wahl. Heute betreibt er nur noch ein kleineres Ladenlokal mit seiner Ehefrau Henna zusammen. Auch für Dave begann eine schwere Zeit, da er mit sechsundvierzig Jahren nur schwer einen neuen Job finden würde. Die zahlreichen Absagen, die ihn Woche für Woche erreichten, ließen ihn immer mehr zum Alkohol greifen. Als könnte er damit seine Sorgen ertränken. Doch dadurch wurde alles nur noch schlimmer.

Und Esther hätte sich eigentlich schon damals, gleich nach dem Auszug der Kinder scheiden lassen wollen. Jedenfalls kam ihr ab und zu schon damals der Gedanke, den sie dann aber schnell wieder verwarf. Die Ehe war zwar schon lange nicht mehr von Liebe geprägt, bestand in Wirklichkeit nur noch auf dem Papier, denn alles war dem Alltag gewichen. Routine hatte sich eingeschlichen. Auch wenn sie es sich nicht eingestehen wollten. Lieber hielten sie diese leere Fassade aufrecht. Irgendwie fand sie nie den Mut, sich zu trennen.

„Aber wozu eigentlich? Für Wen?“ hatte sie sich später gefragt.  „Sex, ach ja Sex. Was war das noch gleich?“ hatte sie  einmal scherzhaft ihre Freundin Gil gefragt, die daraufhin etwas schockiert reagierte.

„Esther, müssen wir jetzt über Sex sprechen?“ empörte sich Gil.

„Ja, sorry Darling, aber ich kann mich leider wirklich kaum noch an das letzte Mal erinnern, als ich mit Dave Sex hatte, geschweige guten Sex. Und wenn wir mal miteinander schliefen, was in den letzten Jahren selten genug vorkam, schien es für Dave nur eine Art Ventil zu sein, reine Selbstbefriedigung. Auf meine Gefühle nahm er überhaupt keine Rücksicht mehr.“

„Esther, ich will das nicht hören. Euer Sexleben geht mich doch nun wirklich nichts an.“

„Ich will aber darüber reden. Ich muss es mal rauslassen, sonst ersticke ich daran. Weißt du, bevor ich richtig feucht wurde, war er schon wieder fertig, drehte sich erschöpft zur Seite, ließ als Zeichen seiner Zufriedenheit und Zuneigung, seine Hand in meinem feuchten Schoß liegen, dann schlief er meistens sofort schnarchend ein. Weißt du wie man sich danach fühlt?“

Gil verdrehte die Augen. Sie errötete sogar bei dieser Erzählung. Ihr war das Gespräch ausgesprochen peinlich.

„Nein, das weiß ich nicht und will es auch gar nicht wissen. Warum redest du nicht mal mit Dave darüber?“

„Und was soll das deiner Meinung nach bringen?“

„Das weiß ich nicht, aber alle reden immer davon, dass Ehepartner irgendwann nicht mehr genügend miteinander reden und lieber alle Probleme runterschlucken. Und das sei falsch.“

„Wie ist denn euer Sex? Ich kann mir Malcom beim allerbesten Willen nicht als wilden Liebhaber vorstellen.“

„Bitte Esther, hör auf, ich will nicht, dass du so über Malcom sprichst“, hatte sie damals wütend gesagt.

Oft hatte Esther nach dem Sex Daves Hand angewidert vorsichtig zur Seite gelegt und ging sofort duschen. Manchmal duschte sie eine halbe Stunde, um sicher zu sein, dass nichts mehr von ihm in ihr übrige blieb. Schon damals wünschte sie sich das eine oder andere Mal, Dave würde flüssig werden und auch im Abfluss verschwinden. Sie hatte einfach keinen Bock mehr auf schlechten Sex, weshalb sie sich Dave immer öfter verweigerte. Sie begann sich vor seinem Mundgeruch, seinem Körper, seinem Gestöhne zu ekeln. Seine lieblose, kalte und egoistische Verhaltensweise beim Sex konnte sie kaum noch länger ertragen. War es also ein Wunder, dass sich in ihr mehr und mehr Widerstand gegen diese Ehe manifestierte?  Sich der Wunsch nach einem eigenen Leben ohne Dave tiefer und tiefer in ihre Seele brannte?

Doch sollte sie Dave nach vierundzwanzig Jahren Ehe in der Krise im Stich lassen? Nein, das konnte und wollte sie ihm dann nicht auch noch antun. Auch wenn sie sich in seiner Nähe nur noch unwohl fühlte. Doch hätte sie da schon gewusst, weshalb Dave beim Sex scheinbar nur seine ehelichen Pflichten zu erfüllen versuchte, dass nicht seine Arbeitslosigkeit, oder der Alkohol schuld daran war, dass er immer so schnell zum Samenerguss kam, sie  wäre längst schon geschieden.

Gil hatte überhaupt nicht bemerkt, dass sie seit geschlagenen zehn Minuten ihren Strohhalm in gleichmäßigen Bewegungen durch den Schaum ihres Latte Macciato rührte, während Esther sich mit wachsender Begeisterung in das Philosophieren über den Sinn einer Partnerschaft im Alter steigerte.

„Und was soll das Gerede, komm erst mal in mein Alter? Das meinst du doch nicht wirklich ernst? Uns trennen gerade einmal drei Jahre.“

„Natürlich meine ich das ernst, todernst sogar. Ich rede nicht direkt vom Alter in Jahren, sondern von der Geisteshaltung. Schau dich doch mal an. Sieht so eine glückliche Ehefrau aus?“

„Was ist bloß heute mit dir los? Warum greifst du mich so gemein an? Malcom und ich führen immer noch eine gute Ehe. Nur weil es bei euch nicht mehr funktioniert, musst du ja nicht alle anderen Ehen auch gleich in Frage stellen.“

„Ha, das ich nicht lache. Willst du mir wirklich weißmachen, dass du mit deinem dickbäuchigen, schwabbeligen, ständig nach Schweiß, nach altem Aschenbecher stinkenden Malcom noch glücklich bist? Der abends seinen Hintern nicht mehr von der Couch bekommt? Genau wie Dave. Der nur noch in die Glotze schaut?“

Gil fühlte, wie ihr die Zornesröte ihr Gesicht erhitzte. Am liebsten wäre sie aufgestanden und gegangen. Seit vierzehn Jahren kannten sie sich schon und noch niemals zuvor wurde sie von ihrer Freundin derart beleidigend niedergemacht. Zum ersten Mal seit vierzehn Jahren, seit sie sich hier im Buttery Café trafen, schien ihre Freundschaft ernsthaft ins Wanken zu geraten. So gemein, so unfair wurde sie noch nie zuvor von ihrer besten Freundin angegriffen. Niemals zuvor hatte sie Esther so aggressiv erlebt.

„Worüber denkst du gerade nach. Und sag mir jetzt nicht, du würdest nicht gerade an etwas Bestimmtes denken. Ich sehe es dir an. Ich hab recht oder?“

Siegessicher und entspannt lehnte Esther sich in ihrem Stuhl zurück und musterte Gil aufmerksam.

„Mein Gott Esther, warum bist du so gemein zu mir?“ fragte Gil, während ihr plötzlich schmerzlich bewusst wurde, dass ihre Freundin genau ins Schwarze getroffen hatte, was sie noch wütenden machte.

Irgendwie fühlte Gil sich plötzlich ertappt. Schuldgefühle übermannten sie schlagartig. Denn eigentlich wollten sie sich immer alles ehrlich sagen. Doch das Esther hier nicht ganz falsch lag, diese Genugtuung wollte Gil ihr dann doch nicht geben. Darum konterte sie schnell: „Komm lass den armen Malcom aus dem Spiel. Wir sind schließlich alle keine siebzehn mehr, keine Teenager. Dafür haben ältere Männer eben andere Qualitäten, als die jungen Kerle.“

„Wirklich? Na, dann klär mich mal bitte auf. Was haben alte Männer denn für tolle Qualitäten, im Gegensatz zu den jungen unkomplizierten männlichen Wesen mit ihren knackigen Hintern und ihren stählernen Körpern? Die oft charmant sind, unternehmenslustig, sportlich aktiv, spontan, sexy und meistens auch noch gute Liebhaber sind? Männer, die noch wissen, was Frauen wirklich glücklich macht. Na gut, ich gebe zu, viele über Fünfzigjährige sind heute noch gut drauf. Aber Frauen im Alter von Fünfzig sind oftmals mit Männern verheiratet, die gut zehn Jahre älter sind als sie selbst, oder noch älter. Und mit sechzig, was haben die old Daddys noch zu bieten?“

„Stimmt das eigentlich, was man sich im Golfclub erzählt?“ wechselte Gil schnell mit einem seltsam verschmitzten Lächeln das Thema.

„Wieso, was meinst du? Was erzählen denn die Spießer dort?”

Esther ahnte natürlich schon, worum es ging. Als sie mit Sammy in ihrem Wagen eine heiße Nummer schob, glaubte sie aus den Augenwinkeln heraus, kurz ein ihr bekanntes Gesicht erkannt zu haben. Sie dachte, die schlimmste Tratschtante des Clubs hinter einer Hecke gesehen zu haben. Aber was hatte sie dort zu suchen? Spioniert  mir diese Dörrpflaume Magret etwa hinterher, diese schreckliche Gouvernante? hatte sie noch gedacht. Bei dem Gedanken an diesen Tag, an diese Situation, musste sie schmunzeln. Gil schaute ihr verwundert in die Augen.

„Warum grinst du wie ein Honigkuchenpferd?“

„Ich musste gerade an was denken. Aber nun raus mit der Sprache. Was erzählt man sich denn im Club?“

„Das du ein Verhältnis mit, mit, na, du weiß schon, hast.”

„Nein, weiß ich nicht. Sag du es mir.“
Sie wollte Gil prüfen, ob sie tatsächlich den Namen kannte, oder versuchte, ihn ihr zu entlocken.

„Man erzählt sich, dass du in deinem Auto mit diesem Kerl Sex hattest.“

„Mit welchem Kerl soll ich angeblich Sex in meinem Auto gehabt haben? Komm Gil, sag schon, wer hat was gesagt?“

„Magret hat das Gerücht verbreitet, dass du mit dem Golflehrer in deinem Auto gevögelt hättest. Stimmt das oder nicht? Bitte sei ehrlich.“

„Mit dem Golflehrer?”  Esther lachte lauthals los.

„Der hat eine extrem attraktive junge und sehr hübsche Frau. Warum sollte dieser Mann also in meinem Auto mit einer alten Frau wie mir vögeln wollen? Diese dumme Kuh, die spinnt sich da was zusammen. Kein Wort ist wahr davon.“

„Du hast also nicht mit einem Mann Sex in deinem Auto gehabt? Bitte Esther, lüg mich nicht an. Das wäre das Ende unserer langjährigen Freundschaft. Du weißt, dass ich es nicht weitertratsche, aber lüg mich bitte nicht an.“

„Ich habe ja gar nicht abgestritten, Sex in meinem Wagen gehabt zu haben. Nur eben nicht mit dem Golflehrer. Ja ich habe tatsächlich im Auto ne´ heftig geile Nummer geschoben. Mit Sammy. Es war toll. Es hat mir gut getan und es hat sich gelohnt. Und ich würde es wieder tun, wenn sich die Gelegenheit bietet.“

„Waaaaaas, mit Sammy, dem Barmann? Der könnte dein Sohn sein!“

Gil wich schockiert ein Stückchen von ihrer Freundin zurück.

„Ach Schätzchen, reg dich nicht auf. Es tat gut, sogar sehr gut. Du solltest das auch mal ausprobieren, es wird dir gefallen und vor allem gut tun. Einfach nur zu wissen, dass man immer noch eine Frau ist, die anderen Männern begehrenswert erscheint, sogar Jüngeren. Ich hatte nämlich schon größte Zweifel gehegt, überhaupt noch irgendeine Anziehungskraft auf Männer zu besitzen. Dave behandelt mich seit Jahren wie ein Neutrum. Glaubst du vielleicht, es ist witzig, mit fünfzig Jahren das Gefühl zu haben, ein Neutrum, ein Niemand, durchsichtig zu sein, kein Sexappeal mehr auszustrahlen, für Männer nicht mehr interessant zu sein? Fühlst du dich denn noch attraktiv genug?“

Bewertung gerne erbeten !

Rezensenten gesucht – biete Rezensionen

Die Gruppe der Selfpublisher wird immer größer und damit auch die Masse der Bücher, die Rezensionen benötigen. Jährlich strömen zig tausende neuer Bücher in diesen Markt. Und alle Autoren haben das gleiche Problem, wenn sie als Newcomer in diesen Teich springen. Sie benötigen Rezensionen von Rezensenten, die fair und anständig ein Buch bewerten. Denn wer bei Amazon im Ranking vorwärts kommen will, benötigt Rezensionen, eine Menge. Ich habe schon sehr viele Bücher verkauft, aber immer noch so wenig Rezensionen, weil die Menschen heute faul sind, weil offenbar nur noch wenig Leute sich etwas Zeit für Rezensionen der gelesenen Bücher nehmen wollen. Jeder konsumiert, dank der billigen eBooks Bücher wie am Fließband, doch kaum ist ein Buch fertig, beginnt man mit dem Nächsten. Aber zu wenig Leser nehmen sich nach einem guten Buch die Zeit, hinterher eine Bewertung schreiben zu wollen, was sehr schade ist.

Da aber die Gemeinde der Selbstverleger, der Indie-Autoren,  selbst schon eine riesengroße Anzahl, nicht nur von Autoren, auch von Lesern ist, wäre es doch eigentlich eine tolle Sache, wenn Autoren sich gegenseitig unterstützen würden, in dem sie die Bücher anderer Autoren lesen und bei Amazon bewerten. Natürlich muss das auf Gegenseitigkeit beruhen, sonst macht es keinen Sinn, seine Bücher kostenlos als Rezensionsexemplare zu versenden.

Ich biete hiermit an, Bücher anderer Autoren bei Amazon zu rezensieren, wenn die gleichen Autoren auch meine Bücher rezensieren. Und natürlich setzt jeder Autor voraus, dass sein Buch gefällt, sonst hätte man es nicht geschrieben und erst recht nicht veröffentlicht.

Ich würde mich über möglichst viele nette Angebote/Anfragen freuen. Bitte per Mail an meine Mailanschrift: autor@caren-anne-poe.com

Eure Caren Anne Poe, Autorin